30 November 2013

Der Giglberger Hof - das heutige Hohenfried in Feldkirchen-Westerham

geschrieben von Silvia Schütz, veröffentlicht in Historisch, Kultur

Eine Reise in die Vergangenheit

Der Giglberger Hof wurde schon 1520 urkundlich erwähnt. Er ist einer der ältesten bäuerlichen Anwesen im Landkreis. Er liegt wunderschön idyllisch im nordwestlichen Teil der Gemeinde, „neben" dem Berghotel Aschbach. 134 Tagwerk Grund – Wald, Äcker, Wiesen, gehörten dazu.

Meist war ein Franz Giglberger der Hoferbe. Die letzten Giglberger auf dem Hof waren bis 1917 Franz und Maria; sie hatten acht Kinder, drei jedoch verstarben als Kleinkinder. Die vier feschen Töchter heirateten wiederum Bauern in Aufham, Oberreit, Holzolling und Hausham. Franz Senior war 23 Jahre lang Bürgermeister in Feldkirchen-Westerham; vor und während des ersten Weltkrieges. Nach ihm ist auch der Giglberger Weg in Feldkirchen benannt. Der einzige Sohn Franz Junior erbte den gesamten Besitz. Der Verkauf des gesamten Besitzes 1917 an den „Schokoladenkönig" Stollwerk Wie kam es dazu, dass der einzige Erbe – nur Söhne bekamen damals den elterlichen Hof - sein Anwesen an die Familie Stollwerk, Gründer der Kölner Schokoladenwerke, verkaufte? Dies war sicher für damalige Verhältnisse sehr ungewöhnlich. Folgende Erklärung fand sich dafür: „400 Jahre saßen dort die Giglberger auf Giglberg. Die Frau des einzigen Sohnes mochte nicht einheiraten. Sie war eine Holzkirchnerin. Ob es ihr nun in der Einöde zu einsam war, die Landschaft zu bucklig oder ob sie die etwas resche Schwiegermutter scheute, ist nicht festzustellen. Diesmal folgte nicht das Weib dem Manne, sondern der Mann dem Weibe in den Marktflecken Holzkirchen und zwar in einen finsteren Winkel unterhalb der Kirche." Franz und Maria, die Eltern, kauften 1916 die von Nikolaus Wild erbaute Villa in Feldkirchen. Dort erlebten sie ihre diamantene Hochzeit im Kreise der gesamten Familie- zum Sohn bestand allerdings kein Kontakt mehr.

„Ein lediges Kind- eine Schand"
Die älteste Tochter Maria wollte den Vater ihres ersten Sohnes nicht heiraten- sie wurde deshalb nach Hausham in den Dienst „verschickt". Dieser kleine Franz, „ der zuletzt geborene im Hause Giglberg 1898", wuchs bei den Großeltern in Giglberg auf und wunderte sich, warum es bei ihnen so viele Franzens gab ... man klärte ihn dann darüber auf. Er hatte laut seinen eigenen Aussagen eine sehr schöne Kindheit, hatte auch guten Kontakt zur Familie des Vaters und zu seiner Mutter, fuhr im Winter mit dem Schlitten nach Feldkirchen hinunter- erst zum Ministrieren in die Kirch' und anschließend in die Schule, die damals an der Stelle der Raiffeisenbank in Feldkirchen an der Hauptstraße lag.


„Glück und Leid liegen nah beianand ..."
Franz überlebte seinen Einsatz im ersten Weltkrieg als einer der jüngsten, im zweiten als einer der ältesten- allerdings verwundet. Nach dem ersten Weltkrieg lernte er Schreiner bei der Firma Frick- dort blieb er als Intarsienschreiner bis zu seinem 67. Lebensjahr. " Wir waren wie eine Familie" erzählte er. Seinen drei besten Angestellten zeigte der Firmenchef Frick seine Wertschätzung auf eine heutzutage schwer vorstellbare Art: Er schenkte ihnen jeweils ein Grundstück am Kellerberg. Für ihn, den Franz Giglberger, der als uneheliches Kind eine Küchenuhr sein einziges Erbe nannte, ein unfassbares Geschenk. Er wohnte später zur Miete in dieser Giglberger Villa im ersten Stock, mit seiner Frau Juliane aus dem bayrischen Wald – er fand erst mit 38 Jahren seine bessere Hälfte;-) und seiner Tochter Rita, die seit ihrer Geburt 1942 Feldkirchen-Westerham treu geblieben ist- und die Quelle vieler dieser Informationen und Fotos ist. Im Krieg wurden die drei Wohnungen in der Villa auf jeweils zwei Zimmer-Wohnungen aufgeteilt, um möglichst vielen Familien Platz zu bieten.


Die Stollwerks – der Giglberger Hof wird zum Herrschaftshaus und Feldkirchen-Westerham bekommt ihre „Schokoladenkirche"
Die Familie Stollwerk baute den Hof zu einem prächtigen Anwesen aus, verlegte Wasserleitungen vom Tal in den Wasserturm, der ein burgähnliches Aussehen erhielt.1927 ließen die Stollwerks das Mausoleum errichten- dem Gründer nach „die Schokoladenkirche" genannt. Das Mausoleum diente als Grabstätte für ihre mit 14 Jahren verstorbene Adoptivtochter Carlita, später auch ihnen selbst als letzte Ruhestätte. Von der Fertigstellung bis heute konnte das reich ausgestaltete Bauwerk von den evangelischen Gemeindebürgern als Gottesraum genutzt werden. Nach Kriegsende beschlagnahmten die Amerikaner die Villa, die sogar mit einem selbstgebauten Skilift dort Wintersport betrieben.1952 war das Anwesen dann ein Kindererholungsheim des Berliner Roten Kreuzes. Ende 1960 wurde das ziemlich herunter gewirtschaftete Hohenfried von Robert Hübner,  Strickwarenfabrikant in Feldkirchen erworben; er renovierte es und teilte es in mehrere Wohneinheiten auf. Bis heute es ist heute noch im Besitz seiner Tochter Brigitte.

Haben Sie jetzt vielleicht Lust bekommen auf mehr „Geschichte Hohenfried und Mausoleum"?
Aufwendig recherchiert und spannend zu lesen: Die Festschrift zum Thema von Pfarrer Harald Höschler, Bruckmühl mit vielen Einblicken von Zeitzeugen und Nachfahren.

Zu finden unter: www.bruckmuehl-evangelisch.de 
HKS- Feldkirchen-Westerham: Die fleißigen ehrenamtlichen Gründer und „Recherchierer" der heimatkundlichen Sammlung (HKS Feldkirchen-Westerham) bieten ebenfalls eine Fülle an historischen Fotos und Infomaterial unter: www.hks--online.de

Ehrenamtliche Mitarbeiter/Innen werden dringend gesucht- Jung und Alt für Vergangenes und Gegenwärtiges!

Und selber dort vorbeischauen? Vielleicht mal wieder ein sonntäglicher Spaziergang?
Start: Im neuen Gewerbegebiet am Pfarrer-Huber-Ring parken, auf zur Forellenzucht (echt lecker!), weiter zum schönen Gut Mareis mit Dammwildbesichtigung. Dabei einen Blick auf die wohl gepflegteste Hundeschule mit Hundepension weit und breit werfen. Dann ein Abstecher zum Mausoleum mit gerade neu gebautem ehemaligem „Messnerhaus". Jetzt ein bisserl anstrengen: Rechts hoch auf dem kleinen Straßerl nach Hohenfried und zum Wasserturm. Alles rundherum ausgiebig genießen beim Luft holen;-) Wer das geschafft hat, ist den selbstgebackenen Kuchen und einer Tasse Kaffee im Hotel Aschbach mit genialem Blick über die Gemeinde schon ganz nah! Anschließend durch Aschbach hinunter zur kleinen Reither Kapelle, durch den Wald an „der IHK" vorbei, die von Andrian-Straße hinunter und geradeaus am Schierbacherl entlang zum Tennisplatz oder ein Stück weiter- und mit einem Linksschwenk zurück in die Dorfmitte. Diese Runde kennt sicher jeder- und man spaziert fast „autofrei".

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